Als Requisite reichten dem vielseitigen Schauspieler 2 Stühle,
die man in kurze Treppen umwandeln konnte,
ein Eimer, ein Paar Pfeile, Hüte und die Armbrust.
So entfaltete sich das eigentlich doch recht aufwendige Kostümstück
vor allem in der Phantasie der Zuschauer,
wie das ja bei gutem Theater und guten Büchern immer sein sollte.

Das Publikum genoss die wunderbare Ein-Mann-Show in der freien Natur,
mit der Ekkehart Voigt unter der Regie von Astrid Lämmlein
mit großer Wandlungsfähigkeit, Witz und Charme
und keinen Moment ohne Spannung die Phantasie der kleinen und großen Zuschauer entfachte.
(Margit Bach, Weilburger Tageblatt August 2005)
Authentisch!
Als ich hörte, dass da einer allein den ganzen Schillerschen Tell gibt, notierte ich mir einige Fragen.
Wie macht er das mit dem Apfelschuß?
Wie geht er mit Schiller um?
Wie präsentiert er dieses Mammutwerk?
Eine Bearbeitung für die Jugend?
Wie stellt er sich dem Thema Tyrannenmord?
Dann beginnt das Stück und ein schwarz gekleideter Mann betritt die Bühne und nimmt uns alle gefangen.
Wir erleben eine abenteuerliche Flucht über den stürmischen See, schwören gemeinsam den Rütli-Eid,
lachen über die Tölpeleien der Wächter bei dem Hut auf der Stange.
Dann kommt diese Ungeheuerlichkeit: Der Landvogt Geßler, angestachelt durch Walther Tells Prahlereien,
zwingt Wilhelm Tell, seinem eigenen Sohn einen Apfel vom Kopf zu schießen. Dramatik pur.
Die Szene um Tells Meisterschuß gerät zum Meisterstück dieser Inszenierung.
Der Dialog des fassungslosen Vaters mit dem machtbewußten Landvogt mündet in dem erlösenden Schuß.
Diese Tell-Inszenierung ist auch deshalb so packend, weil der Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute spürt:
Hier erzählt nicht irgendjemand irgendeine Geschichte der Weltliteratur.
Ekkehart Voigt, geboren vis a vis vom Schillerhaus in Weimar, wo der Tell geschrieben wurde,
verflechtet glaubwürdig Schillers Text mit seiner eigenen Geschichte.
(Wlm. Nachrichten Nov. 2005)

(C. Kissel, Weilburger Tageblatt zur Premiere am 5.5.2005)